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Grüße aus Bangladesch

Liebe WEFA-Ehrenamtliche, Liebe Wohltäter; mit diesem Artikel möchte ich mit Ihnen –so Allah will- meine Eindrücke von der Kurbankampagne 2009 teilen, die WEFA in Bangladesch organisiert hat. Die folgenden Zeilen sind meine eigenen Beobachtungen und die Verantwortung des Inhalts trage lediglich ich.

Visum

Möge der Herr den Angestellten in Berlin rechtleiten. Er zeigte geradezu die Haltung als wollte er uns davon abhalten, diese gute Tat zu verrichten. Die Tatsache, dass er anfangs kein Visum erteilen wollte, bereitete mir Sorgen darüber, dass ich die Opfertiere, für deren Schlachtung ich bevollmächtigt wurde, nicht vor Ort schlachten würde. Jedoch bekam ich im letzten Moment doch das Visum. An dem Tag lernte ich auch Mehmet Bakici kennen, mit dem wir am 25. November 2009 aus Frankfurt in die thailändische Hauptstadt Bangkok und von dort aus mit Umstieg in die bengalische Hauptstadt Dhaka weiterflogen. Von dort aus sind wir in die südöstlich gelegene Stadt Cox‘s Bazar gefahren, wo wir uns mit den Teams der IHH (TR) und der Partnerorganisation in Bangladesch getroffen haben.

 

Vergangenheit

Zwischenzeitlich möchte ich auch kurze Informationen über die Vergangenheit des Landes geben: der Islam verbreitete sich 1000 Jahre zuvor auf der indischen Halbinsel. Bis noch vor ca. 400 Jahren herrschte dort der Islam. Später jedoch wurden diese Gebiete zur Kolonie Englands. Der Kampf gegen den Kolonialismus dauerte bis in die 1940er Jahre an. Danach wurden Indien –mit hinduistischer Bevölkerung- und West- und Ostpakistan –mit muslimischer Bevölkerung- unabhängig. Mahatma Gandhi, M. A. Jinnah, Muhammed Ikbal und Mawdudi sind einige der bekannten Namen, die sich im Kampf für die Unabhängigkeit beteiligten. In den 1970er Jahren trennte sich Bangladesch mit militärischer Hilfe Indiens von Pakistan.

 

Festtag

Der Samstag 28. November war in Bangladesch der erste Festtag. Bevor wir im Flüchtlingslager ankamen, wo wir den Schlachtungsvorgang durchführen wollten, verrichteten wir in einem Dorf das Festtagsgebet. Uns ist nicht bewusst, was für einer einzigartigen Religion wir angehören. In tausenden Kilometern Entfernung befinden sich so viele unterschiedliche Menschen Schulter an Schulter und beten gemeinsam. Trotz der schwierigen Lebensverhältnisse sieht man in den Gesichtern der Menschen ob jung oder alt, ein Lächeln, eine Freude und Warmherzigkeit. Dies erinnerte mich an die Festtage, die ich seinerzeit in der Türkei verbracht hatte.

 

Arakan

Das Programm begann in der Region Teknaf im Flüchtlingslager der Flüchtlinge aus Arakan. Zunächst möchte ich kurz Arakan beschreiben: Arakan ist eine Region in Burma, in der die Mehrheit Muslime bilden. Eine Tatsache, die leider weder in der Öffentlichkeit noch unter den Muslimen bekannt ist. Die Militärjunta unterdrückt die gesamte Bevölkerung und insbesondere Muslime. Sie leben unter Qual und Unterdrückung. Aufgrund dessen werden sie Auswanderungen nach Bangladesch ausgesetzt. Da auch Bangladesch selbst ohnehin ein armes Land ist, sind die Lebensbedingungen der Arakaner die dort leben, herzzerreißend. Sie kämpfen in Unterkünften, die Hühnerställen ähneln, allesamt ums Überleben. Sie können nicht ein Mal die Lager verlassen, weil die Eingänge von Soldaten bewacht werden. Möge der Herr uns dabei helfen, ihnen auf beste Weise zu helfen.

 

Kurban ([…] bete zu deinem Herr und schlachte. 108:2)

Als wir im Flüchtlingslager ankamen, sahen wir wieder dieselbe Freude in den Gesichtern der Menschen. Ihre Offenherzigkeit gab uns das Gefühl als kannten wir uns sehr lange. Die Partnerorganisation von WEFA hatte bereits die Opfertiere gekauft und in diese Lager gebracht. Wir begannen mit dem Schlachtungsvorgang. Anschließend gaben wir je ein Kilo Fleisch in die Tüten. Menschen, die ein Mal jährlich Fleisch essen können, standen Schlange, um ihren „diesjährigen“ Anteil bekommen zu können. Sie waren glücklich, vielleicht vielmehr deshalb, weil wir uns unter ihnen befanden. Die Tatsache, dass sie uns kennenlernen und uns ihre Probleme schildern wollten, zeigt meiner Meinung nach, dass sie ihre Hoffnung nicht verloren haben. Mir fiel ein großer Mangel an mir selbst auf; ich konnte mich zwar mit meinen unzureichenden Englisch- und Arabischkenntnissen mit diesen Menschen unterhalten, jedoch wäre die gegenseitige Kommunikation offener und herzlicher gewesen, wenn ich beide Sprachen ausreichend beherrscht hätte. Wir begegneten ständig Menschen, die arabisch oder Englisch sprechen konnten. Mir ist wieder klar geworden, dass der Mensch es mit mehreren Sprachen leichter hätte.

 

Waisenhäuser

Mit Allahs Erlaubnis ergab sich die Gelegenheit, dass ich die Waisenhäuser besuchen konnte, die die IHH (TR) und WEFA finanziert haben. Die Lebensgeschichten der dortigen Kinder haben mich sehr berührt. Einige von ihnen haben keine Eltern und von einigen sind die Väter beim Fischen ertrunken, als sie ohne Schwimmring auf Boote stiegen, um ihre Familien zu ernähren. Und zig ähnliche Lebensgeschichten. Den Kindern in diesen Waisenhäusern werden durch die Spenden von Wohltätigen –möge Allah mit ihnen zufrieden sein- Kleidung, Nahrung, Unterkunft und Bildungsmöglichkeiten geboten. Aber hier möchte ich einen Appell an die Wohltätigen richten; die monatlichen Spenden reichen leider nicht aus, um den Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen. Wenn diese Spenden je nach Möglichkeit vermehrt werden, können in kürzester Zeit –so Allah will- aus diesen Waisenhäusern gescheite, kompetente Genies hervorgehen, die sich mit den Problemen der Region beschäftigen und sie bekämpfen.

 

Leben in Bangladesch

Bangladesch ist das dichtest besiedelte (150.000.000 Einwohner pro 150.000 km2) und zweitärmste Land der Welt. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Muslime. Die Unterhaltsquellen der Menschen sind vor allem Fischerei, der Reisanbau und Kleidungssektor. Das Land verfügt auch über Erdgasvorkommen. Davon profitieren jedoch eine kleine Schicht und andere Länder allen voran die USA. Darüberhinaus erschweren auch schlechte Klimabedingungen den Menschen das Leben. Die heftigen Monsunregen in bestimmten Monaten und auch das Schmelzwasser, das vom Himalaya hinunterfließt, führen oft zu Überschwemmungen, wobei diese große materielle und immaterielle Schäden verursachen. Überall entstehen Pfützen. Die Menschen decken ihren täglichen Bedarf mit diesen Ansammlungen von Wasser. Deswegen ist das Brunnenprojekt von WEFA hinsichtlich dieser Angelegenheit eine sinnvolle und schöne Arbeit. Liebe Wohltäter, von einem derartigen Brunnen profitiert manchmal ein ganzes Dorf, -so Allah will- wird es für derartige Hilfsleistungen große Belohnung geben.

 

Fazit

Unsere Reise endete am 5. Dezember 2009. Wir fanden die Gelegenheit, die Freude, den Kummer, die Sorge dieser Menschen zu teilen. Wir haben versucht, gute Taten zu vollbringen, jedoch ist es nicht ausreichend. Wir sollten dies alles nicht als ausreichend betrachten und sagen: „Ich habe doch mein Kurbantier gespendet, dadurch helfe ich doch auch“. Der Prophet Muhammed (Friede sei mit ihm) sagte: "Das Beispiel der Gläubigen (mu`minīn) in der Zuneigung, im Mitleid und in der Güte zueinander ist das des Körpers. Wenn ein Teil des Körpers krank wird, so kommt der ganze Körper diesem (Körperteil) zur Hilfe mit Fieber und Schlaflosigkeit." (Bukhari, Muslim) Deshalb sollten wir alles machen, was in unserer Hand liegt. Möge Allah eure guten Taten annehmen und euch beschützen.

 

Anmerkung: Ich bedanke mich bei der IHH (TR)-Stiftung für Humanitäre Hilfe, der Humanitären Hilfsorganisation WEFA, Islamic AID in Bangladesch, Ahmet Samir aus Arakan, Reyhan und Niametullah vom Freundschaftsverein aus Arakan, meinen Reisegefährten Mehmet Bakici, Resat und Abdulkadir, Kemal Gümüs von der Zeitung „Vakit“ und Mikail Isik, der von WEFA beauftragt wurde, in Hagen/Deutschland die Kurbanspenden zu sammeln.

 

Möge der Herr Ihre guten Taten akzeptieren und fortwährend machen.

 

HAGEN, 13 Dezember 2009

Selami Deler