WEFA reicht 1005 Waisenkindern im Irak die Hand
Die humanitäre Hilfsorganisation WEFA hat 1005 Waisenkindern im Irak geholfen, die unter schweren Bedingungen um ihr Leben kämpfen.
WEFA hat den Waisenkindern, die sich in einer unvorstellbar schwierigen Lage befinden, in den ersten drei Monaten eine finanzielle Hilfe bezüglich des Sponsorenprojekts zukommen lassen.
Für die darauffolgenden Monate hofft die Organisation auf die Hilfe der Wohltäter. Wohltäter, die diesen Kindern helfen und mit einer monatlichen Unterstützung in Höhe von 35 Euro als Sponsor für eines der Kinder, die einen oder beide Elternteile verloren haben und bei Verwandten leben müssen, aufkommen möchten, können sich telefonisch (Tel.: 0049-221-880 64 80) in unserer für Waisenkinder zuständigen Abteilung melden.
Seit der amerikanischen Besatzung des Irak im Jahr 2003 bis heute sind 5 Millionen Kinder zu Waisen geworden und eine Million Frauen verwitwet. Den Berichten des irakischen Gesundheitsministeriums zufolge, sind seit 2003 täglich 400 Kinder durchschnittlich zu Waisenkindern geworden und es haben 80 Frauen ihre Ehegatten verloren, sodass sich in Folge daraus im Irak mehr als 5 Millionen Waisenkinder und eine Million verwitwete Frauen befinden. Daraus ergibt sich, dass von den weltweit 107 Millionen Waisenkindern fast fünf Prozent allein im Irak leben. Das Ministerium weist darauf hin, dass die Tatsachen, dass 15 Prozent der Kinder, die unter 14 Jahre alt sind, Kinderarbeit betreiben, zahlreiche von Waisenkinder keine Möglichkeit zur Bildung bekommen, drogenabhängig werden und jeder Art von Ausbeutung ausgesetzt sind, große Gefahren für die Zukunft des Landes darstellen.
Den Berichten zufolge kann nur eines von fünf Kindern im Schulalter die Schule besuchen. Die Gewalt, mit der der Irak nach dem Krieg konfrontiert war, führte dazu, dass 800.000 Kinder gezwungen waren, die Schule zu verlassen. In den letzten 15 Jahren ist die Rate der Alphabeten von 80 auf 60 Prozent gesunken. Das bedeutet, dass vier von 10 Personen Analphabeten sind, darunter zu 47 Prozent Frauen. Vor der amerikanischen Besatzung waren ca. 34.000 Ärzte im Irak registriert. Mehr als 20.000 dieser Ärzte verließen nach den gewaltreichen Ereignissen das Land, 2000 Ärzte verloren bei den Konflikten ihr Leben. Während 1989 die Todesrate bei 1000 neugeborenen Kindern 60 Betrug, sind es gegenwärtig 107 Todesfälle. Von 1000 Kindern verlieren 130, bevor sie ihr fünftes Lebensjahr erreichen, aus verschiedenen Gründen ihr Leben. Zudem werden 23 Prozent aller Säuglinge aufgrund unzureichender Ernährung untergewichtig geboren.
Den Forschungen der internationalen Vereinigung behinderter Menschen und des irakischen Gesundheitsministeriums zufolge, haben durch die amerikanische Besatzung im Irak im gesamten Land eine Million unschuldige Zivilisten körperliche und seelische Behinderungen erlitten. Ein großer Teil der Betroffenen sind gelähmt, tausende Iraker haben durch die Bombenangriffe Schocks und Schlaganfälle erlitten. Nach der Besatzung im Jahr 2003 ist die Anzahl der seelisch und körperlich behinderten Menschen um 30 Prozent gestiegen. Den Forschungsberichten nach ist die Hälfte der behinderten Menschen von einer schweren Hörstörung betroffen, tausende der Opfer sind zu hundert Prozent taub geworden. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Behinderungen bei den Opfern, die im Rollstuhl sitzen, auf Krücken gehen oder Schlaganfälle und Lähmungen erlitten haben, bleibende Hirnschäden hinterlassen haben.
Laut einer Studie des britischen Meinungsforschungsinstituts ORB (Opinion Research Business) die Anfang 2008 in 15 der 18 irakischen Provinzen durchgeführt wurde, sind durch die amerikanische Besatzung 1.030.000 Menschen ums Leben gekommen. Den Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) nach hat es seit der amerikanischen Besatzung 4 Millionen irakische Flüchtlinge gegeben.
Der Ort, in dem sich unsere Waisenkinder befinden
Der Ort, in dem die Waisenkinder des WEFA Sponsorenprojekts leben, befindet sich in der irakischen Provinz Diyala, zwei Stunden von Bagdad entfernt. Um dort hinzugelangen bedarf es einer speziellen Erlaubnis, woraufhin man mit einem Jeep und mit Schutzpersonal hingebracht wird.
Das Waisenkind Halid
Nach einem Besuch unserer Partnerorganisation in Diyala erhalten wir Informationen über die 1005 Waisenkinder, für die wir gemeinsam zuständig sind und überprüfen die Projektarbeiten. Anschließend sagen wir den zuständigen Personen Bescheid, dass wir eines der Waisenkinder besuchen möchten. Dann machen wir uns mit drei Fahrzeugen und vier bewaffneten Soldaten auf den Weg. Auch wenn diese Region sicher zu sein scheint, ist die Lage doch sehr angespannt. Als wir an dem Haus unseres Waisenkindes ankommen, ist die Mutter des Kindes nicht da. Nach einer Weile sehen wir die Mutter auf uns zukommen. Doch als sie die bewaffneten Soldaten bemerkt, versucht sie mit großer Angst wegzulaufen. Diese Situation bedrückt uns. Die Helfer unserer Partnerorganisation versuchen der Mutter zu erklären, warum wir gekommen sind, sodass sie sich wieder beruhigt. Nachdem wir erfuhren, dass ihr Mann beim Überfall seines Landes umgekommen ist, können wir das Trauma der Frau, das die Gewaltsituation bei ihr und der gesamten Gesellschaft hinterlassen hat, besser verstehen.
Halit ist der zweitgrößte von vier Geschwistern. Da er morgens arbeitet, ist er noch nicht in der Schule. Wir lernen uns gegenseitig kennen. Zunächst fürchtet er sich vor uns, fängt an zu weinen und sagt seiner Mutter, dass er nicht mit uns reden möchte. Doch als wir auf ihn zukommen, hört er auf zu weinen und lässt seine Angst nicht anmerken. Mit der Zeit gewöhnt er sich langsam an uns. Wir führen als erstes mit Halid ein Interview vor dem Haus. Als sein bester Freund Muhammet Tahir kommt, wird er aufgeweckter und selbstbewusster. Er erzählt uns von seinem Vater und seinem alltäglichen Leben. Die Menschen in dem Viertel schauen neugierig und etwas verunsichert zu. Dann holt Halid ein Fotoalbum und zeigt uns ein Bild seines Vaters. Sein Vater besaß einen Süßwarenladen und war ein normaler Familienvater wie jeder andere. Er wurde in seinem Laden überfallen und ermordet. Die Gewalt in diesem Land trifft immer wieder unschuldige Zivilisten. Die gesamte Gesellschaft wurde von der Gewalt getroffen. Seine Mutter erzählt uns, dass sie dem Staat einen Antrag auf eine monatliche Förderung gestellt hat und immer noch auf eine Antwort wartet. Halid geht in die 6. Klasse. Als es Zeit für ihn wird, in die Schule zu gehen, begleiten wir ihn und setzen unser Interview vor seiner Schule fort.






