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Zum ersten Mal in unserem Leben haben wir echtes Leid gesehen. So viele notleidende und bedürftige Menschen, wohin wir nur sahen. Es war einfach unfassbar. Zwar hatten wir alle schon des öfteren in den Medien einiges über arme bedürftige Menschen gesehen und gehört, doch dass es Menschen gibt, die in solch starker Armut leben, kann man wahrscheinlich nur dann glauben, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat.

 

D. Bakıcı

 

Es war das erste Hilfsprojekt an dem ich als freiwillige Helferin teilnahm. Unsere Aufgabe führte uns in eines der ärmsten Länder auf der Welt, nach Bangladesch!

 

Nach einer langen und anstrengenden Reise wurden wir in Bangladesch herzlich empfangen. Wir machten uns direkt an die Arbeit ohne auch nur eine Minute Zeit zu verlieren. Denn je besser wir die Zeit nutzten, desto mehr Projekte konnten wir verwirklichen und folglich auch mehr Hilfe leisten. Nach einer letzten gemeinsamen Beratung, dehnten wir unsere Projektplanung noch einwenig aus.

 

Auch wenn die Leute  dort vor Ort, der Meinung waren, dass die Projekte, die wir uns vorgenommen hatten, nicht in einer Woche zu realisieren sein, waren wir doch fest davon überzeugt, dass wir es schaffen würden. Genau aus diesem Grund waren wir doch tausende von Kilometern gereist. Das Leid einwenig lindern war unsere Devise, und dafür waren wir bereit all unsere Kraft und Energie einzusetzen.  Auch wenn sich diese Menschen sozusagen am anderen Ende der Welt befinden, möchte WEFA das Leid dieser Menschen ein wenig lindern und die Hilferufe dieser Menschen nach außen tragen.

  

Bei unserem Besuch in Dakkah haben wir solche Armut gesehen, wie noch nie zuvor in unserem Leben. Wir waren fassungslos und geschockt. Solch eine große Anzahl an armen hilfsbedürftigen Menschen, sahen wir zum ersten Mal. Wir wussten gar nicht mehr wo wir hinsehen sollten, wir konnten immer noch nicht glauben, was hier für ein Leid und Elend herrschte. Zwar hatten wir alle des öfteren in den Medien einige Berichte über arme bedürftige Menschen gesehen und gehört, doch dass es Menschen gibt, die in solch starker Armut leben, kann man wahrscheinlich nur dann glauben wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat.

 

Unschuldige Kinder spielen auf Müllhaldeplätzen und auf Bahngleisen und können trotz des Hungers und des Leides dennoch ein Lächeln entbehren. Wir waren fassungslos über die Situation und die Verhältnisse, in der die Menschen hier leben. Vor allem berührte uns das Leid der Kleinen. Sie spielten in Schlamm und Dreck, tranken ekeliges braun gewordenes Wasser und schliefen auf Steinbordkanten. Die Babys hatten am ganzen Körper Wunden, die aufgrund der dreckigen Umgebung gar nicht mehr zu heilen schienen.  So viele Hilfsbedürftige Menschen, so viele hoffnungslose Menschen.

 

Ein Ereignis ging uns allen richtig an die Substanz. Es war herz zerschmetternd mit anzusehen, wie eine Mutter uns ihre kleine Tochter zu schob und uns inständig bat sie mitzunehmen. Es traf uns Mitten ins Herz. Welche Mutter  würde ihr Kind einfach so hergeben wollen. Wie verzweifelt müssen diese Menschen sein, wie Hoffnungslos? Diese Mutter, sah für sich selbst keinen Ausweg mehr und hatte jegliche Hoffnung verloren. Wir konnten uns nicht mehr halten und fingen alle an schluchzend zu weinen. Wie gut es uns doch geht! In welchem Wohlstand wir doch leben und welch ein sorgloses  Leben wir doch im Gegensatz zu diesen Menschen führen! Die meisten Sorgen die wir hier haben, entstehen aus dem Wohlstand in dem wir leben. Einen noch besseren Job zu haben, noch mehr Geld, noch schöneres Auto, noch mehr Luxus.  Doch die Sorge dieser Menschen besteht darin, was sie heute essen könnten oder ob sie überhaupt den heutigen Tag noch überleben und was dann mit ihren Kindern ist. Welch ein Gegensatz! Das Wort Zukunft kennen die meisten nicht. Ihre Zukunft ist die nächste Minute.

 

Nach all den schrecklichen Bildern um uns herum, stieg unsere Motivation noch mehr etwas für diese Menschen zu tun. Mit aller Kraft und allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln machten wir uns an die Arbeit, um das Leid dieser Menschen ein wenig zu lindern.

 

Besonders auffallend war, dass es überall in Bangladesch Missionar Organisationen gab, egal wo wir hinkamen, sahen wir mindestens ein Missionar Büro. Allein eine einzige Organisation hatte 20 000 Schulen und mehr als 100 000 Menschen waren hier als Missionare tätig. Das verschlug uns die Sprache; in einem Land, in dem über 90 % der Bevölkerung Muslime sind, gab es kaum  muslimische Hilfsorganisationen. Während wir bequem auf unseren Sofas liegen, kommen Missionare zu unseren Brüdern und Schwestern und nutzen ihr Leid, um sie von ihrer Religion abzubringen. Wir beten für unsere Geschwister in Bangladesch, dass es dort bald noch mehr islamische Hilfsorganisationen gibt.

 

Unsere Projekte nahmen ihren Lauf.  Unter anderem hatten wir die Ausstattung von Schülern mit Schulsachen vorgesehen. Wir haben uns also auf dem Weg gemacht und haben 100 Schultaschen und Stifte gekauft. Die Anzahl der Schüler haben wir von dem  Direktor der Schule erfragt;  kein Kind sollte leer ausgehen. Als wir in der Schule ankamen, wurden wir herzlich empfangen. Man konnte die Freude in den Augen der Kinder ablesen. Auch der Direktor und die Lehrer freuten sich für die Schüler und man verabschiedete uns mit schönen Gebeten.

 

Ein anderes geplantes Projekt, war der Besuch eines Weisenheimes. Wir wollten die Kinder dieses Heimes mit Geschenken erfreuen. Jedes Kind sollte von uns Kleidung bekommen, welche aus einer Heimuniform, Hosen, einpaar Sportschuhen, Strümpfen und dergleichen bestand. Außer der Kleidung enthielten die Geschenkpakete noch Süßigkeiten und Luftballons.  Nach fast zwei Stunden Fahrt erreichten wir das Waisenhaus. Mit einem lächeln im Gesicht und mit funkelnden Augen erwarteten uns die Kinder des Heimes. Wir übergaben jedem Kind persönlich sein Geschenkpäckchen. So groß die Freude auch war, sah man in ihren Gesichtern dennoch eine gewisse Beschämtheit. Nachdem die Geschenke verteilt worden waren, wollten wir noch die Zimmer der Waisenkinder besichtigen. Wir hatten uns jedoch zuviel vorgenommen, denn es gab gar keine Zimmer, sondern nur einen einzigen großen Raum. Für einen Augenblick erstarrten wir und waren sprachlos. Es gab nichts in diesem Raum, weder Betten noch Decken, noch sonst irgendetwas. Es war ein leerer hohler Raum, indem die Kinder sowohl im Winter als auch im Sommer auf den blanken Betonboden schliefen. Nur ein schäbiges, hauchdünnes Stück Stoff lag auf dem Boden. Dies war sowohl ihr Aufenthaltsraum, ihr Schlaf- und Essraum  als auch ihr Lehr- und Lernraum. Es war ein trauriges Bild was wir dort vor Augen hatten. Es war das Bild der Armut.  Nachdem wir uns dann wieder gefasst hatten, gaben wir den Kauf von Matratzen und Betten  in Auftrag, denn solange diese Kinder keine Betten zum schlafen hatten,  wäre es für uns unmöglich nachts auch nur ein einziges Auge zuzumachen.

Wir verabschiedeten uns dann  von den Kindern und der Heimleitung und versuchten ihnen unsere traurige Stimmung und unser entsetzen nicht zu zeigen. Wir hatten dass  in unserer Macht stehende getan, jetzt konnten wir sie nur noch Gott anvertrauen. Unser Team stieg ins Auto, und es herrschte Totenstille. Nur an unseren Augen konnte man erkennen was sich in unseren Herzen abspielte.

 

Es begann ein Kampf gegen die Zeit! WEFA hatte noch etliche Projekte, die es zu verwirklichen galt. Nach alle dem was wir gesehen und erlebt hatten, setzten wir  unsere Arbeit mit einer unvorstellbaren  Kraft und Energie fort, wie wir selbst von uns nie geglaubt hätten, dass wir solche zu Leisten vermögen. Wir haben erkannt, dass es noch viel zu tun gibt. Auf diesem Wege wird WEFA seine Arbeit fortsetzten, mit dem Ziel und in der Hoffnung das Leid auf Erden einwenig zu lindern.

 

Waisenkinder

 

Allein und verlassen sind sie auf dieser Welt,

sie haben weder Mutter noch Vater, der ihre Hand hält.

Ihre Zukunft ist das Heute, es wird keine Frage nach dem Morgen gestellt.

 

Sie schlafen ohne Betten und Decken,

das Leid steht ihnen auf der Stirn geschrieben und lässt sich nicht verstecken.

 

Ihr Schicksal ist Hunger, Durst und Einsamkeit,

und Not und Elend ist ihr tägliches Kleid.

 

Wir tragen ihren Hilferuf hinaus in die weite Welt,

damit man sich ihrer erbarmt und ihr Leben mit Hoffnung und Freude erhellt.

 

Das Leid der Armen  soll ein Ende nehmen,

darin liegt Wefa´s Ziel und ihr ganzes Bestreben.

  

Wefa, Hand in Hand in eine bessere Zukunft.

 

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