Tränen füllten sich in meinen Augen, als mir Dolmetscher das übersetzte, was eine alte Frau, mir auf bosnisch gerade gesagt hatte. Sie sagte, dass sie am Gipfel des Berges wohnt, und einen drei stündigen Fussmarsch zurückgelegt hat, nur um ein Stück von dem Fleisch zu bekommen, welches Muslime in Europa für ihre bedürftigen Brüdern und Schwestern, zum Opferfest gespendet haben. Sie bedankt sich bei allen Spendern recht herzlich und wird sie in ihre Gebete mit einschließen.
Ş. İmatoğlu
Als freiwillige Helfer sprachen wir mit dem Vorsitzenden von WEFA, Herrn Musab Aydin. Wir teilten Herrn Aydin mit, dass wir für jede Aufgabe bereit sind und uns auf jede Hilfe, die wir leisten können, freuen, egal wo diese auch sein mag.
Nur kurze Zeit später, hat Allah swt uns dann mit einer ehrenvollen Aufgabe beglückt. Wir sollten in ein Land, welches nach jahrelangem Krieg, immer noch unter den Kriegsauswirkungen litt. Wir sollten zu einem Volk, an welchem Massenmorde und grausame Folterungen verübt wurde. Wir sollten nach Bosnien Herzogowina!
Mit anderen freiwilligen Helfern haben wir uns dann von Köln aus, mit dem Bus, auf dem Weg gemacht. Wir waren auf den Weg, verwaisten, verwittweten, Kriegsopfern und allen anderen dort lebenden Menschen, die Opferspende, von in Europa lebenden Muslimen, vor Ort zukommen zu lassen. Wir wollten den Menschen in Bosnien eine helfende Hand reichen. Die Hand, welches die Bedürftigen mit den besser Bemittelten und Wohltätigen, verbindet. Nicht eine einzige Minute wollten wir Rast machen. Wir wurden von einer Kraft angezogen, die wir nicht beschreiben können. Wir passierten eine Grenze nach der anderen. Unsere Augen wollten nur das Eine sehen, Bosnien Herzegowina!
Endlich waren wir unserem Ziel nahe. Fünf Länder hatten wir bereits passiert. Nun waren wir kurz davor, die Menschen, die uns voller Hoffnung, erwarteten zu sehen. Nur noch eine Brücke trennte uns von unserem Ziel. Auf der Brücke befand sich die Grenze zwischen Kroatien und Bosnien. Wir näherten uns langsam dem Grenzübergang und dann kam der aufregende Moment; geschafft! Wir hatten die Grenze passiert.
Endlich waren wir in Bosnien. Bei der Fahrt ins Landesinnere, sahen wir viele, von Bomben zerstörte oder Munitionen durchlöcherte, Häuser und Gebäude. Weit und breit gab es kaum ein Haus, welches nicht beschädigt war. Ein trauriges Gefühl überkam uns; plötzlich hatten wir all die Bilder, die damals über die Bildschirme flatterten, vor Augen. Obwohl schon einige Jahre vergangen waren, gab es kaum einen Fleck, wo der Krieg nicht seine Spuren hinterlassen hatte.
Langsam näherten wir uns unserem Standort in Saraybosnien zu. Unser Adrinalinspiegel stieg, als wir von weitem die Minaretten sahen. Nach einer 17 stündigen Fahrt waren wir dann bei der Partnerhilfsorganisation von WEFA angekommen. Dieser Verein wurde von Izzetbegovic gegründet, die “Summaya Hilfsorganisation”.
Eine, mit unsere Angelegenheit vertraute, Dame empfing uns. Sie gab uns die notwendigen Informationen und wir machten uns dann auf ins Zentrum “Bas Carsi”. Hier herrschte eine warme und freundliche Atmosphäre.
Wir lernten den Vorsitzenden der Summaya Hilfsorganisation kennen und sind zusammen einige Punkte unseres Porjektes durchgegangen. Danach begaben wir uns zurück zur Summaya Hilfsorg., um uns dort erst einmal von den Strapazen der Reise auszuruhen.
Am mächsten Morgen war es dann soweit. Früh morgens begaben wir uns zum Schlachthof in Visko. Alles lief nach Plan. Das geschächtete Fleisch kam portionsweise in Tüten und wir machten uns auf, um es in verschiedenen Regionen von Bosnien zu verteilen.
Wir fingen mit Gorajde an. Hier wurden wir von einem Mann, Namens Necet, empfangen. Er gehörte zu denen, die im Krieg an der Front gekämpft hatten. Er hatte etwas unbeschreiblich beeindruckendes an sich. Er erzählte uns von der Kriegszeit und zeigte uns den Berg, welchen die Serben belagert hatten, um von dort aus die Stadt zu bombadieren; und mit welchen Schwierigkeiten sie den Bombardierungen entgegen wirkten, um die Stadt zu verteidigen. Wir sahen auf dem Berg noch die Teile von serbischen Tanks und Flugzeugen.
Anschließend gingen wir zu einem Mann, der im Krieg als General von Gorejde, diente. Auch er erzählte uns über den Krieg und darüber, wie sie sich zu verteidigen versucht hatten. Ein Schaudern überkam uns nach all den Geschichten. Was uns jedoch am meisten brührte, waren die selbstgebauten Waffen, die wir sahen. Mit diesen hatte sich das Volk versucht zu verteidigen.
Wir verteilten dann in verschiedenen Bezirken von Gorajde das Fleisch. Im letzten Bezirk trafen wir eine rießige Menschenmasse vor. Man konnte in den Gesichtern dieser Menschen die Trauer und den Schmerz ablesen, denen der Krieg bei ihnen hinterlassen hatte. Als wir am verteilen waren, kam eine alte Frau an die Reihe. Sie streckte mir ihre eiskalten Hände entgegen und ich gab ihr ihre Fleischportion. Währenddessen sagte sie etwas auf bosnisch zu mir. Als der Dolmetscher mir dass, was die Frau gesagt hatte, übersetzte, füllten sich meine Augen mit Tränen. Sie sagte, dass sie am Gipfel des Berges wohnt und einen drei stündigen Fussmarsch zurück gelegt hat, nur um ein Stück von dem Fleisch zu bekommen, welches Muslime aus Europa für ihre bedürftigen Brüdern und Schwestern gespendet haben. Sie bedankt sich bei allen Spendern recht herzlich und wird sie in ihre Gebete mit einschließen.
Nachdem wir an alle etwas verteilt hatten, gab es nur noch ein Ort, auf unserer Liste, Srebrenica! Hier wurden zur Kriegszeit die meisten Massenmorde verübt.
Am nächsten Morgen sind wir sehr früh aufgebrochen. Wir befanden uns in serbischem Gebiet, als es plötzlich heftig zu schneien anfing. Es trennte uns nur noch eine einzige Stunde fahrt von Sebrenica. Wir dachten an die Menschen, die uns voller Hoffnung erwarteten. Eine traurige Stimmung überkam uns, denn es wurde uns bald klar, dass wir unsere Fahrt nicht mehr fortsetzen konnten und umkehren mussten, da die Straße zugeschneit war. Die Summaya Hilfsorg. rief in Sebrenica an, um ihnen mitzuteilen, dass die Verteilung aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse, auf einen anderen Tag verschoben werden muss. Die Verteilung, erfolgte dann auch in den nächsten Tagen, doch wir konnten leider nicht anwesend sein, da wir uns bereits auf der Heimreise befanden. Wir hatten unsere Mission erfüllt! Wir hatten die Opferspenden an bedürftige Menschen in Bosnien weitergeleitet.




