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Wenn wir die nackten Füße sehen, die über die dreckigen Schlammstraßen laufen, überkommt uns ein beschämendes Gefühl. Ein Gefühl, um Vergebung zu bitten, für uns und für alle Muslime in Europa. Denn wenn wir eins von dieser Reise mitnehmen konnten, dann ist es, dass wir unseren Herren jeden Tag unermüdlich für all die reichlichen Gaben, mit denen Er uns versogt, danken sollten, denn nichts von alle dem ist selbstverständlich. Alle Muslime auf der Welt sind Geschwister, und wo auch immer sie sich auf der Welt befinden, ist ihr Leid das unsere.

 

H. Ramazan Yilmaz

 

Nach 25 Stunden haben wir Deutschland meilenweit hinter uns gelassen.

Als wir in Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi landeten, fiel eine Last von unseren Schultern. Die Last, der zu verteilenden Opfertiere, die wir im Namen der Opferspender verteilen sollten. Muslime in ganz Europa, haben ihre Opfergaben an uns weitergeleitet, damit sie bedürftige Menschen auf der Welt erreichen. Burundi sollte nun eines der Empfängerländer dieser Opfergaben sein. Es war also an der Zeit, sich dem Leid dieser Menschen anzunehmen, und es ein wenig zu lindern.

 

Burundi liegt im Osten Afrikas und hat eine Fläche von 27.834 km². Die Hauptstadt Bujumbura hat am 1. Juli 1962 seine Unabhängigkeit von Belgien erhalten. Die Landessprachen sind Kirundi und Französisch. Der im Jahr 2005 gewählte Staatspräsident Pierre Nkuruziza, ist nach einer Pause von 12 Jahren, der erste demokratische Präsident. Der einzige Vorteil den das Land hat ist, dass es über ausreichende Wasservorräte verfügt, so dass die Menschen, wenn auch nur das Nötigste anbauen können, um nicht zu verhungern.

 

Am Flughafen haben uns unsere Brüder von der Islamischen Gemeinschaft Burundi empfangen. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg, um eine Verteilungsplanung vorzunehmen. Anschließend erfolgte die Umsetzung der Planung. In 17 verschiedenen Gebieten haben wir tausende muslimische Brüder und Schwestern, mit den Opfergaben beglückt. Wir waren die stellvertretende Hand, der wohltätigen Spender in Europa, denn wir haben unsere Arme in Europa ausgestreckt, um sie dann unseren bedürftigen Brüdern und Schwestern auf der Welt zu reichen.

 

Am Festtag selbst, konnten wir nicht in Moscheen beten, deren Dächer uns vor Regentropfen schützen, wir konnten unseren Eltern und Lieben nicht zum Fest gratulieren, wir konnten nicht die verschiedene Leckereien, die es üblicherweise an Festtagen gibt, kosten. Dies alles konnten wir nicht, aber wir konnten in den Herzen der Burundis ein wenig Glückseeligkeit schaffen und das war uns mehr Wert, als alles andere.

200 Opfertiere wurden in 17 verschiedenen Regionen verteilt. Die Verteilung erfolgte nicht nur an Einzelpersonen und Familien, sondern auch  an islamische Einrichtungen, wie Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Moscheen. Das Leid was wir dort mit ansehen mussten, war unerträglich. Zwar haben wir versucht allen Einrichtungen und Menschen in den Gebieten, in denen wir uns gerade befanden zu helfen, jedoch stellten wir uns dann die Frage, was mit all den anderen ist? All den anderen, die unsere Hilfe nicht erreicht!

 

Was ist mit all den Schulen, Waisenhäusern und Moscheen, denen wir nicht helfen konnten, weil sie sich nicht in der Region oder in dem Bezirk befanden wo wir das Fleisch verteilten.      

 

Es ist unsere Aufgabe, das Leid unserer Brüder und Schwestern nach Außen zu tragen.

 

Eines der größten Probleme, die die Muslime in Burundi haben, ist zweifellos die Bildung. In einer Klasse, die eine Kapazität für höchstens 20 Schüler hat, werden bis zu 100 Schüler unterrichtet. Die Schulen haben keinen Strom und kein Wasser. Manche Klassen sind noch nicht einmal betoniert. Viele muslimische Schüler, die aufgrund von Platzmangel, keinen Schulplatz bekommen oder in Gebieten leben, wo es keine islamischen Schulen gibt, haben keine andere Alternative, als katholische Schulen zu besuchen oder staatliche Schulen, in denen das Christentum gelehrt wird. Obwohl die Muslime 12% der Bevölkerung ausmachen, wird in den staatlichen Schulen ausschließlich die Glaubenslehre des Christentums weitervermittelt.

 

Eine Wunde, die seit Jahrhunderten am bluten ist und nicht verheilt, ist die Wunde der Waisenkinder. In Ländern, in denen die Menschen unter Krieg, Armut, Erdbeben oder Dürre leiden, sind die größten leidtragenden, die Waisenkinder. In Burundi ist das nicht anders!   

 

Wir besuchen ein Waisenhaus in Bujumbura´da.  Die Direktorin empfängt uns herzlich und erzählt uns die Probleme des Heimes. Wir erfahren, dass die Kinder des Waisenheimes seit Monaten nichts Richtiges zu Essen bekommen haben, weil dass Heim nicht die Mittel dazu hat. Als wir uns dann zu den Waisenkindern begeben, empfangen diese uns mit schönem anashed Gesang. Trotz all den Sorgen, die auf ihren kleinen Schultern lasten, funkeln ihre Augen als sie uns, und die von uns mitgebrachten Geschenke, sehen. Nachdem wir jedem Kind einzeln sein Geschenk übergeben haben, nehmen wir einige Notizen über das Waisenhaus auf. Danach verabschiedeten wir uns von den Kindern und der Leiterin des Heimes.

 

Am Abend entwarfen wir dann zusammen mit der Islam Gemeinschaft Burundi ein Projekt für die Waisenkinder.

Unser Projekt konzentriert sich darauf, Waisenkindern, die in schlechten Verhältnissen leben, in Familien unterzubringen, wo man ihnen mit Liebe und Barmherzigkeit entgegnet.

 

Wenn wir die nackten Füße sehen, die über die dreckigen Schlammstraßen laufen, überkommt uns ein beschämendes Gefühl. Ein Gefühl, um Vergebung zu bitten, für uns und für alle Muslime in Europa. Denn wenn wir eins von dieser Reise mitnehmen konnten, dann ist es,  dass wir unseren Herren jeden Tag unermüdlich für all die reichlichen Gaben, mit denen Er uns versogt, danken sollten, denn nichts von alledem ist selbstverständlich. Alle Muslime auf der Welt sind Geschwister, und wo auch immer sie sich auf der Welt befinden, ist ihr Leid das unsere.

 

Die Muslime in Burundi grüßen all unsere Familienmitglieder unsere Freunde und alle in Europa lebenden Muslime. Auch wenn wir unterschiedliche Sprachen sprechen,  unterschiedliche Kulturen haben, unterschiedliche Gesichtsfarben haben und meilenweit entfernt von ihnen leben, sind diese Menschen unsere Geschwister.  Und wir tragen das funkeln ihrer Augen in unseren Herzen mit, egal wo wir sind.