Ehrenamtliche Ärzte und Krankenschwester unserer Organisation, die am grauen Star-Projekt teilgenommen haben, teilen wie folgt ihre Erinnerungen mit Ihnen:
Dr. Rukiye Uslup (Chirurgin)
Staatskrankenhaus-Nevşehir
Meine geehrten Kollegeninnen,
ich war Teil des Teams, das im März 2008 ehrenamtlich nach Khartum/Sudan gefahren ist. Ich fuhr zum ersten Mal nach Afrika und infolgedessen war ich aufgrund der verbreiteten Krankheiten wie Malaria und Wüstenhitze ziemlich beunruhigt. Unser landete um 23.00 Uhr Ortszeit in Khartum. In der uns zur Verfügung gestellten Wohnung wurden wir vom Vorgängerteam herzlich empfangen. Jeder sah ziemlich erschöpft aber trotzdem glücklich aus. Es gab sogar einige, die Tränen vergossen, weil sie sich von dieser warmen Atmosphäre verabschieden mussten. Am folgenden Tag sind wir in das Krankenhaus gefahren, in dem wir arbeiten werden und traten unseren Dienst an. Ich verspürte große Schmerzen als ich Menschen sah, die aufgrund von fehlenden Möglichkeiten nicht sehen können, obwohl sie mit einem einfachen Eingriff wieder genesen könnten. Für einen Moment dachte ich, wie glücklich wir uns über die Sozialleistung in der Türkei schätzen sollten.
In Klinik gab es lange Schlangen, die den Grad eines Andrangs erreichten. Die Blicke der Patienten zeigten, dass wir ihnen durch unsere Anwesenheit sehr viel Vertrauen und innere Zufriedenheit vermittelten. Als ich ihre Lage sah, wollte ich ohne über weiteres nach zu denken sofort mit der Behandlung (Operation) beginnen. Aufgrund der nichtgeeigneten Bedingungen in Afrika ist die Zahl der grauen Star-Erkrankten und die Intensität der Krankheit tatsächlich ziemlich hoch; der Einfluss des Sonnenlichts, Ernährungsbedingungen, die Nichtbehandlung von systemischen Erkrankungen sind entscheidende Faktoren für diese Krankheit. Innerhalb eines Monats bin ich dermaßen vielen grauen Star-Fällen begegnet, denen ich in der Türkei nicht einmal in einem Jahr begegnen könnte. Aufgrund der Nichtbehandlung von Infektionen und insbesondere von Bindehauterkrankungen (Trachom) stellte man bei 70 % der Erkrankten eine Kalkeinlagerung der Hornhaut (Bandkeratophatie) fest. Vor der Operation waren die meisten Linsen subluxiert. Hier bot sich mir die Gelegenheit Patienten, erkrankt an grauem Star von Geburt an oder durch Infektionen, ohne Komplikationen zu operieren. Ich führte täglich zwischen 15 bis 20 Operationen durch. Die Kraft so viele Operationen an einem Tag durchzuführen, haben mir die warmen und bittenden Blicke der Patienten gegeben. Ich vergaß all meine Müdigkeit, als ich Menschen sah, die mit Hilfe ihrer Verwandten in die Klinik kamen, nach dem Eingriff aber selbstständig laufen konnten. Ich konnte dafür sorgen, über 400 Menschen das Augenlicht wieder zu geben. Ich lade alle meine KollegenInnen ein, dieses Glück zu erleben und erleben zu lassen.
Dr. Serkan Güreser (Chirurg)
Das Nahost-Gesundheitszentrum-Şanlıurfa
„Als ich nach Sudan fuhr, hatte ich sehr viele Fragezeichen im Kopf. Nachdem wir uns am Flughafen mit unseren Kollegen trafen, und insbesondere als ich mich während des vierstündigen Fluges mit einer Holländerin unterhielt, die nach Äthiopien zu ihrem Verlobten flog, wurde mir bewusst, auf was für eine große Reise ich mich begeben hatte. Als sie fragte „Warum fliegst du nach Sudan?“, konnte ich ihre Frage zunächst nicht beantworten.
Ich kann nicht sagen, ob mein Schweigen mit meinen zurückgebildeten Englischkenntnissen oder damit zusammenhing, dass ich mit mir selbst bezüglich meiner Reise nach Afrika in keinerlei Übereinstimmung war. Aber sogar ich war über meine Antwort erstaunt, als ich sagte: „Ich fliege dorthin, damit blinde Menschen wieder sehen können.“ Aber was ich meiner Mitreisenden nicht sagen konnte: „Ich habe Angst, ich weiß nicht einmal, wie die Lage dort ist und was mich dort erwartet. Werde ich hungern -ich muss ohnehin ein bisschen abnehmen- wo werde ich schlafen, wird dieser Platz sauber sein? Sollte ich durch einen Fliegenstich an Malaria erkranken und dadurch sterben, werden dann meine Kinder zu Waisen?
Oder wenn die Patienten beispielsweise aggressiv sind und es dort keine Gesetze gibt… es ist Afrika, was macht es schon für einen Unterschied, wenn mit etwas zustößt, der Mensch hat dort bestimmt keinen Wert! Wird unser Arbeitsplatz sauber sein? Was wird geschehen, wenn die Patienten eine Infektion bekämen und wir nicht genug Gegenmittel zur Hand haben, wenn wir nicht so viele Operationen wie uns „versprochen“ durchführen können, sind wir vergeblich hierher gekommen.
Als ich nach der Landung bei der Passkontrolle sah, wie gelassen der Angestellte vorging, konnte ich keinesfalls beruhigt werden. Eigentlich suchte ich nach etwas, was mich beruhigte. Auf dem Weg zu unserem Unterkunft, wurde mir klar, dass wir mit den Wetterbedingungen keine große Probleme haben würden als ich die Morgenkühle verspürte. Als wir zu unserem Unterkunftsort ankamen, war ich ziemlich beruhigt als ich die uns zur Verfügung gestellte perfekte Wohnung und die Opferbereitschaft der Mitarbeiter sah. Das Essen schmeckte ohnehin seit Anbeginn der Ankunft ausgezeichnet. Es gab sogar Momente wo ich dachte „hätte das Essen doch schlecht geschmeckt“, dann hätte ich nämlich ein wenig abnehmen können. Nun blieb eine Frage offen, unser Arbeitsplatz. Als ich dann auch gegen Mittag zu sehen bekam, war ich völlig erleichtert. Denn Metin Bey und sein Team haben in der Wüste geradezu ein Palast errichtet. Unser Operationssaal entsprach solchen Standards, die sogar in vielen Orten der Türkei nicht existieren. Es fehlte fast kein einziges Zubehör, zudem gehörten wir noch zur ersten Gruppe und die fehlenden Materialien hatten wir innerhalb von wenigen Tagen beglichen. Ich denke, dass ich hier in Bezug auf die Chirurgie einen langen Weg zurückgelegt habe. Die Fälle waren widererwarten einfacher zu operieren. Mehr als die Hälfte der Fälle, von denen ich dachte, sie seien fortgeschrittene Subluxationen, waren aber Nucleo-Kortikal. Die Tage vergingen ziemlich schnell und ich kehrte wieder zurück. Was ich von meinem Aufenthalt dort mitgenommen habe; die Möglichkeit eine Phakoemulsifikation leicht durchzuführen, enge Freundschaften, die Erweiterung meines Blickwinkels gegenüber Afrika, Bedürftigen und Menschen und einige Kilos.“
Dr. Fatih Mehmet Küçük (Chirurg)
Staatskrankenhaus-Mersin
„Als unser Flug am 14. März gegen Abendstunden aus Istanbul startete war ich beruhigt, obwohl Fragezeichen über meinem Kopf schwebten. Der Grund für diese innere Ruhe waren wahrscheinlich die Worte von Dr. Metin in Bezug auf die sichere Wohnung, die uns dort zur Verfügung gestellt wurde und den geeigneten Arbeitsplatz. Er hatte recht; als wir in der Nacht in Sudan ankamen und zu unserer Wohnung gingen, wurden wir von der vorgängergruppe empfangen, obwohl es schon Mitternacht war. Neben dem Team hatten wir in der Nacht auch Fatma, Mehmet und Hamza kennengelernt, die dort leben und den neuen Teams behilflich sind.
Als wir uns am nächsten Tag mit dem dortigen Team auf dem Weg in die Klinik machten, war unser Gesprächsthema die Klinik und der Grund unseres Aufenthalts dort. Als ich in die Klinik eintrat, merkte ich, dass sie besser als die meisten Kliniken in der Türkei hergerichtet war. Unser Vorgängerteam machte sich sofort an die Arbeit, es war offensichtlich, dass eine Aufgabenverteilung stattgefunden hatte, denn jeder erfüllte mit Schnelligkeit seine Aufgaben. Zunächst werden Patienten des vorigen Tages untersucht und später die Patienten, die am selben Tag in die Klinik kommen und schließlich werden Vorbereitungen für diejenigen Patienten getroffen, die bereit für eine Operation sind. Da wir aber das System noch nicht kannten, beobachteten wir zunächst alles von Außen.
Nach den Untersuchungen ging man in den Operationssaal. Auf die Sterilisation achtete man besonders. Jeder der Ärzte und Krankenschwester erledigte eine Aufgabe als sei er/sie vorprogrammiert und einige Minuten später begann man zu operieren. Wir (das neue Team) sahen die vom grauen Star betroffenen Augen in Sudan zum ersten Mal. Diese Fälle schienen schlimmer als die in der Türkei zu sein und auch ihre Beseitigung schien viel schwieriger zu sein. Doch die Ärzte, die vor uns da waren an derartige Fälle gewöhnt und hatten der Lage der Patienten passende Methoden entwickelt. Dieser Tag verlief für mich und meine KollegenInnen äußerst voll und beweglich. Insgesamt wurden 36 Operationen durchgeführt; obwohl wir ja eigentlich hatten nur zugeschaut hatten, waren wir am meisten ermüdet. Am folgenden Tag mussten wir die ganze Arbeit übernehmen und waren deswegen ein wenig aufgeregt. Am besagten Tag lernten wir die Vorgänge im Operationssaal und machten uns an die Arbeit. Am Nachmittag durften wir an die Operationstische. Die Operationen verliefen nicht sehr einfach, doch die ausreichenden und qualitativen Geräte erleichterten und die Arbeit. Viele Ärzte reisten mit ihrem eigenen Operationszubehör ein und übergaben vor der Abreise alles der Klinik. Je mehr die Tage vergingen und wir das Produkt unserer Arbeit sahen und die Menschen sich bei uns bedankten, weil sie wieder das Licht erblickten, arbeiteten wir mit Stolz und Ehrgeiz weiter. Es mag sein, dass wir durch 9-10 Stunden Arbeit täglich ermüdet waren, aber die Bewertung des Tages am Abend mit unseren KollegenInnen machte uns glücklich und wir machten uns mit großer Freude für den nächsten Tag fertig. Die Erlebnisse dort kann man nicht in Worte fassen.
Nach einem Monat hatten wir uns an Sudan gewöhnt; an die Menschen, an die Wärme, an den Staub und allen voran an die Klinik. Das neue Team traf jedoch schon ein und wir mussten wieder zurück. Keiner wollte sich von den anderen verabschieden. Jeder einzelne wollte ein weiteres Mal dahin fahren und den Menschen wieder helfen. Mit dem Wunsch uns vielleicht irgendwo wieder zu sehen verließen wir Khartum. Glücklich, zufrieden und mit der Vergewisserung, dass wir diese Reise wiederholen werden, wenn sich wieder die Möglichkeit ergibt.“
Krankenschwester Medine Balsak
Bevor ich nach Sudan fuhr, hatte ich keine Vorstellung, wie es dort sein würde. Ich wusste lediglich, dass die Fläche drei Mal so groß wie die der Türkei ist, die Bevölkerungszahl sich auf 35 Mio. beläuft und 90 % des Landes Muslime sind. Im Flugzeug überwog die Zahl der Europäer und der Menschen aus verschiedenen Kontinenten. Aus dem Flughafen hinausgekommen sah ich ein Land, das die Türkei der 50er Jahre darstellte. Sobald wir aus dem Flugzeug ausstiegen, kritisierten wir alles um uns herum.
Wir kritisierten ihren Dienstsektor, ihr Betriebsverständnis und vieles mehr. Insbesondere mussten wir am Flughafen unser Gepäck für die Zollkontrolle zurücklassen und weiterreisen. Dies waren Dinge, die uns verspüren ließen, dass wir uns in einem Entwicklungsland befanden. Wir waren alle zufrieden von dieser etwas anderen Erfahrung, auch wenn wir unsere Arzneimittel und Linsen einen Monat nach der Rückkehr wieder erhalten haben. Unter den islamischen Ländern sind Sudanesen warmherzige Menschen, die das Leben auf islamische Weise recht gewahrt haben. Dies ist ein Land, in dem sich die Armut auf höchstem Niveau aber der Diebstahl desto trotz auf unterstem Niveau befindet. Je näher wir die Menschen dort kennenlernten, merkte ich wie nahe sie sich uns gegenüber fühlten und wie entfernt wir eigentlich von ihnen waren. Hier fühlen Sie sich auf den Straßen nicht wie ein Fremder. Wenn wir sagten „Wir sind aus der Türkei hierhergekommen“, gab’s unter ihnen auch der eine oder andere, der außer Istanbul und Ankara auch Bodrum, Diyarbakir und Hatay kannte. Es war besonders schön, Menschen kennenzulernen, die Ahmet, Muhammet, Fatih oder Kevser hießen. Sie ähnelten uns, obwohl sie uns schon kannten hatten wir sie viel zu spät kennengelernt. Der Ausspruch des Propheten „Derjenige, der sich satt isst, während sein Nachbar hungrig ist, gehört nicht zu uns“ stört uns vier bis fünf Stunden von Afrika entfernten Türken vielleicht gar nicht. Aber als ein Kind sein Brot mit uns teilen wollte, nachdem wir ihm ein Spielzeug geschenkt hatten, stellten wir uns folgende Frage: „Warum haben wir nicht viel eher ebenso wie ihr alles geteilt.“ In unserer Welt, in der wir je mehr wir hilflos wurden umso unsensibler wurden, ist es unser „Auge des Herzens“, das diese Tatsachen nicht sah. Es wäre vollkommen ausreichend, lediglich das Geld, was wir einen Monat für Zigaretten ausgeben, das Geld für ein paar neue Schuhe oder einer neuen Tasche ihnen zu geben. Wir haben dicke Mauern um uns herum gebaut. Auch wenn wir nicht persönlich dorthin gehen können, um zu helfen, können wir sie durch Menschen oder Organisationen erreichen, die dort Hilfe leisten.
Krankenschwester Gülşah Fatma Sert
Ich sage immer, dass der Mensch ein interessantes Wesen ist. Mit der Zeit entdeckt er sich selbst und sein Umfeld.
Wenn Sie bereit sind, sich zu entwickeln und zu ändern, gibt es sehr viel, was Sie lernen werden. Verhaltensweisen, die Ihnen zuerst wie ein Angriff vorkommen, können später Ihre Sicht auf das Leben verändern. Sie können Ergebnisse in unserem Leben hervorrufen, die keine vielbändigen Bücher ändern und uns vermitteln können. Sie fragen sich sicherlich „Wovon redet Sie“? Sie haben recht.
Ich las das Leben armer und in Elend lebender Menschen und schaute mir Dokumentarfilme über sie an, bemitleidete sie und war dankbar für meine eigene Lage. Trotzdem betrachtete ich mich als jemanden, der viele Probleme hatte, nicht erreicht hatte, was er sich vorgenommen hatte und sogar oftmals als jemanden, der unrecht behandelt wurde. Dies waren einige Gründe für meine Reise nach Sudan. Menschen zu helfen, war einerseits dafür, damit auch mir geholfen wurde. Aus diesem Grund ging ich dahin, um unseren Geschwistern dort zu helfen.
Die dortigen Menschen leben immer noch am Anfang des 20. Jahrhunderts und tragen natürlich nicht die Schuld für diese Lage. Sudanesen sind sehr warmherzige, liebevolle und geheimnisvolle Menschen. Die Sätze, die freiwillige Studenten übersetzt hatten, um uns bei der Herstellung der Kommunikation mit den Patienten zu helfen, bewegten mich sehr. Viele der Patienten sagten nach dem Eingriff folgendes: „Wir bedanken uns bei unseren muslimischen Geschwistern aus der Türkei, die uns nicht vergessen und uns geholfen haben.“ Es bewegt einen in unbeschreiblichem Maße, von vielen Patienten ähnliche Dinge zu hören. Die eigene Landesfahne im Ausland zu sehen und Menschen eines fremden Landes im Namen des Eigenen Hilfe zu leisten, sind Gefühle, die man nur verstehen kann, wenn man sie erlebt. Natürlich könnte ich auch eines der Patienten sein, der am Operationstisch lag aber ich gehörte zum Team, das die Operation durchführte. Ich denke, dass jeder Beruf eine Verpflichtung gegenüber den Menschen hat und derartige Projekte sind der beste Weg, um diese Verpflichtung zu erfüllen.
Diese Reise hat mir in Bezug auf die Zufriedenheit, Liebe und Humanität sehr viel gebracht. Es war sehr schön, Menschen zu treffen, die von den negativen Seiten der Zivilisation nicht beeinflusst wurden und naturrein geblieben sind. Diese Menschen haben mir gezeigt, dass Dinge, die uns als Probleme dargestellt worden sind, im Kern keine Probleme sind und über die wir uns Sorgen machen, nicht real sind. Als ich in meine Heimat zurückkehrte, war ich jemand, der sich wohl fühlte, glücklich und mit allen Dingen zufrieden war.
Sagen Sie bitte; wer hat Ihrer Meinung nach wem geholfen?
Krankenschwester Ayşe Yazar
Numune-Krankenhaus Konya
Ich bin eine Krankenschwester, die zwischen dem 01.02.2008 und dem 02.03.2008 an diesem Projekt gearbeitet hat. Ich möchte Ihnen zunächst von mir und anschließend von meinen Erfarungen und Gefühlen berichten.
Ich bin am 01.04.1972 in Silifke geboren. Ursprünglich stamm ich aus Mut in der Stadt Mersin. Die Grundschule und die Sekundarstufe I habe ich in Seydişehir in der Stadt Konya besucht. Das Berufsgymnasium Richtung Gesundheitswesen habe ich in der Stadt Nevşehir und meine zweijährige Hochschulausbildung auf der Selçuk-Universität in der Stadt Konya abgeschlossen. Seit 18 Jahren befinde ich mich im Berufsleben. Dessen zwei Jahre verbrachte ich in einer Gesundheitseinrichtung, zwei Jahre im Operationssaal in der Einheit der Intensivstation und die restlichen 14 Jahre am Augenoperationstisch. In diesen 14 Jahren war ich insbesondere bei Augenoperationen und später bei Operationen anderer Fachbereiche aktiv dabei.
Aufgrund meines Respekts zu mir selbst und zu meinem Beruf habe ich mich in Bezug auf den Operationssaal ständig „erneuert“ und bin auf dem neuesten Stand geblieben. Vor zwei Jahren habe ich im Bildungs- und Forschungskrankenhaus-Gazi eine dreimonatige Ausbildung im Bereich der vitroretinalen Chirurgie bekommen. In Bezug auf dieses Thema habe ich gerne als OP-Krankenschwester bei Augenoperationen mitgewirkt. Ich denke, dass diese Informationen über mich ausreichend sind.
Von dem „Grauen Star-Projekt Afrika“ habe ich zunächst von einem Augenarzt (Dr. Aydin Beyatli) in der Klinik, in der ich arbeite, erfahren.
Es begann mit der Anmeldung via E-Mail, in der ich das für mich passende Datum und meine Telefonnummer nannte.
Als eine OP-Krankenschwester mit 14 Jahren Erfahrung sollte das eine große Freude sein, Menschen ohne Gegenleistung zu helfen und dafür belohnt zu werden. Über dieses Projekt und meine persönlichen Gedanken darüber habe ich mit meinen Freunden gesprochen. Alle haben mich dabei unterstützt und zwei meiner Freundinnen haben sich entschieden, auch am Projekt teilzunehmen. Sie waren auch wie ich OP-Krankenschwester. Aufgrund einiger formeller Probleme jedoch mussten wir zu zweit ausreisen.
Vor der Abreise informierte ich mich gründlich darüber, wo wir untergebracht werden sollten, was wir dort anziehen und essen würden. Allerdings waren für mich am wesentlichsten die Sterilisationsbedingungen am Arbeitsbereich. Liebe KollegenInnen; ich unterstreiche das Wort Sterilisation zwei Mal, denn wenn man in der Augenchirurgie nicht auf die Sterilisation achtet, kann sich eine Infektion in einer kurzen Zeit von zwei Stunden ausbreiten und in vier Stunden kann das Auge des Patienten unwiderruflich verloren gehen. Die Regel in der Chirurgie lautet: „Schade nicht, wenn du nicht helfen kannst“. Als ich aber erfuhr, dass sie dort das Flash-Autoklav-Verfahren einsetzen, war ich ein wenig erleichtert. Sie können sicher sein, dass dort die besten und modernsten Bedingungen geschaffen worden sind, die unter solchen Umständen geschaffen werden könnten. Sie können sich fragen, woher ich das weiß, obwohl ich doch noch nicht dort bin. Sie können sich den Operationssaal und die Operationen live über das Internet anschauen.
Vor der Abreise mussten auch wir uns, wie jeder, der in die afrikanischen Länder fuhr, gegen das Gelbfieber impfen lassen –man kann sich in Ankara oder Istanbul impfen lassen.
Am Flughafen lernten wir Dr. Ahmet Elbay und die beiden Krankenschwestern Mesude und Fikriye kennen, die mit uns nach Afrika fliegen sollten. Nun stiegen wir mit unseren Koffern und mit den Sachen, die dorthin gebracht werden sollten, in das Flugzeug.
Während des viereinhalbstündigen Flugs kam es zu keinerlei Problemen. Im Flugzeug sollten wir ein Formular ausfüllen und auf Fragen, wie unseren Namen, Familiennamen und den Grund der Einreise antworten. Das Formular behielten wir bei uns und gaben es während der Passkonrolle dem Angestellten. Einige Sachen, insbesondere die medizinische Ausrüstung wurde bei der Zollkontrolle nicht freigegeben. Diese Sachen erhält man später durch eine Genehmigung etwa eins bis zwei Wochen später wieder.
Als wir zu der uns bereitgestellten Wohnung kamen, wurden wir sehr warmherzig von unseren KollegenInnen epfangen. Wir lernten vier Krankenschwester, drei Ärzte und unsere Dolmetscherin Fatma kennen.
Eigentlich kann man diese Erlebnisse nicht beschreiben, man muss sie selber erlebt haben. Damit man hier für die Operationen eine gute Atmosphäre hatte und sich gut konzentrieren konnte, wurde an alles Notwendige gedacht.
Nun zu unseren Arbeitsvorschriften; täglich haben wir um 07.30 Uhr gefrühstück, gegen 08.15 Uhr gingen wir aus dem Haus und nach etwa 15-20 Minuten Omnibusfahrt kamen wir im Krankenhaus an. Die Ärzte riefen die Patienten einzeln herein, untersuchten zunächst die am vorigen Tag operierten Menschen und danach die neuen Patienten.
Wir jedoch –ich und meine Kolleginnen- gingen mit unserer Dolmetscherin Fatma in den Operationssaal und trafen die Vorbereitungen für die Operationen. Wir sterilisierten die Operationsinstrumente mit dem Vollwasser-Autoklav-Verfahren. Gleichzeitig bereitete eine Kollegin die Operationstische vor. Um hier schnell voranzukommen, ist es sehr wichtig, eine Arbeitsaufteilung zu machen.
Liebe KollegenInnen, wenn ihr dorthin möchtet, bildet euch bitte vor der Einreise in Themen wie Bedingungen für den Operationssaal, Sterilisation und Augenoperationen fort. Denn dort verfügt man weder über die Zeit noch über ausreichendes Material.
Dr. Davut Bey vom ersten Team war ein Meister in Sachen Phakoemulsifikation. Er führte an einem Tag zwischen 18-21 Phakoemulsifikationen durch. Dr. Ferruh Bey war ein pensionierter Arzt, der auch Phakoemulsifikationen durchführen konnte. Er führte täglich 10-12 Operationen durch. Somit wurden täglich etwa 35 Eingriffe unternommen. Was Dr. Ahmet Bey betrifft, so untersuchte er generell die Patienten und nahm sie auf.
Nach den Operationen säuberten wir erneut den Operationssaal und benutzten Desinfizierungsmittel. Die Operationsinstrumente sterilisierten wir mit verschiedenen Mitteln.
Nach der Arbeit gingen wir manchmal am Nil spazieren oder setzten uns in ein Café und unterhielten uns. Nach dem Abendessen zog sich jeder in seine eigene Ecke zurück.
Da in Sudan der Freitag der offizielle Feiertag ist, organisierten wir an diesem Tag Ausflüge an verschiedene Orte Sudans. Und weil wir ein gutes Team waren, verlief alles problemlos.
Nach zwei Wochen mussten wir uns von Dr. Davut Bey, Dr. Ferruh Bey und Dr. Ahmet Bey verabschieden. Um sie zu vertreten kamen Dr. M. Fatih Küçük (Staatskrankenhaus-Mersin), Dr. İnayet Andı (Private Augenklinik-Ümraniye), Dr. Veysel Aykut (Numune-Krankenhaus-Haydarpaşa ). Natürlich haben sie vor der Übernahme der Arbeit, einen Tag zusammengearbeitet. Mit diesem Team schafften wir täglich zunächst 20 Operationen, weil die Fälle ziemlich schwierig sind und später erreichte die Zahl 25-27.
„Stellen Sie sich 20 % der Neugeborenen Blind vor, Jugendliche, die durch ihre Erblindung schlechtes Lebens- und Arbeitspotenzial haben, ältere Menschen, welche aufgrund ihrer Erblindung auf die Hilfe von anderen angewiesen sind … Sie helfen diesen Menschen ehrenamtlich und sehen ihre lächelnden Blicke. Sie sehen, wie sie die Hände aufschlagen und für Sie beten. Dieses Gefühl und die Freude sind unbeschreiblich.“
Nach dieser einmonatigen opferbereiten und sorgfältigen Arbeit hatten wir etwa 950 Eingriffe ohne Komplikationen unternommen (Allah sei Dank). Als sich die Zeit der Rückkehr näherte, wurden alle betrübt. Auch unsere Freunde, die wir dort gewonnen hatten und unsere Patienten waren betrübt. Zwei Tage vor unserer Rückreise traf das neue Team ein. Als unsere letzte Aufgabe haben wir sie über die Lebens- und Arbeitsbedingungen dort aufgeklärt.
Bei der Verabschiedung vergossen wir alle Tränen. Die eine Hälfte in Sudan lassend stiegen wir in das Flugzeug. Als wir in Istanbul ankamen, verabschiedete ich mich auch von meiner Reisegefährtin, letzlich musste jeder von uns woanders hinfahren.
Ich habe versucht, soweit ich konnte, meine Erlebnisse und Erfahrungen mit Ihnen zu teilen. Wenn ich wieder in der Lage bin, habe ich vor, nach einigen Monaten wieder zu verreisen. Aber diesmal vielleicht in ein anderes afrikanisches Land.
Dieses Projekt wurde wirklich speziell und mit Sorgfalt erstellt. Ich habe zum ersten Mal an einem derartigen Projekt teilgenommen. Mit dem Wunsch ab jetzt auch an andere Projekte teilzunehmen, die das Thema „Humanitäre Hilfe“ beinhalten.








